ist für mich ein wichtiges Thema, denn Stricken u.a. Handarbeiten sind mir in den letzten Jahren zum eindeutig schönsten Hobby geworden, und „nur“, weil ich jetzt vegan esse, kann ich damit nicht einfach aufhören. Ich habe den echten Veganern (die, die mehr tun, als nur aus egoistisch-gesundheitlichen Gründen vegan kochen) jedenfalls zu verdanken, dass ich nun weiß, wie die schönen Wollknäul ins Regal kommen, die ich vorher bedenkenlos gekauft habe, in der unbedachten Annahme, dass Wolle dem Schaf ja geschoren werden muss, hier also wohl keine Tierausbeutung stattfindet. Nunja, das sehe ich jetzt anders, man muss halt nur mal ein bisschen nachdenken und nachlesen;-)….wie so oft.

So bin ich ja Keine, die grundsätzlich vor Mitleid mit den Tieren dahinschmilzt oder glaubt mit bewusstem Konsum die Welt retten zu können, aber wohl Jemand, der mit zunehmendem Wissen über Produktionsbedingungen einfach sein Missfallen an der Massentierhaltung mal irgendwie zum Ausdruck bringen wollte, denn es gibt auch für Omnivore, denke ich, einen Unterschied zwischen Tierhaltung und Tierquälerei. Und ich möchte mir auch nicht ständig als Verbraucher schlechte Qualität verkaufen lassen, die unter Tier-und übrigens auch tw.Kinderausbeutung sowie katastrophalen Umweltbedingungen entsteht und von meinen mühsam erarbeiteten Steuergeldern auch noch gefördert wird, das gilt für mich schon länger für  Lebensmittel, genauso aber auch für Wolle!

Was von den Herstellern von Strickwolle nämlich gern verschwiegen wird und, nach meiner Erfahrung, immer noch vielen StrickerInnen nicht bewusst ist, ist: Die Herstellung von Wolle ist meist blutig und basiert auf der Misshandlung und Ausbeutung von Schafen und auch Menschen. Und um das so zu sehen, braucht man kein Veganer zu sein, sondern nur ein gut sozialisierter (also „natürlicherweise“ mit anderen Mitgeschöpfen mitfühlender) Mensch! Denn der größte Teil der weltweit verkauften und verarbeiteten Schurwolle stammt aus Australien, wo immer noch das sog. Mulesing praktiziert wird (bei Merinowolle beherrscht australische Wolle den Weltmarkt zu 50% und den deutschen Markt sogar zu über 70%!). 

Wegen der Überzüchtung der Tiere und einer bestimmten Parasitenart werden die auf riesigen Farmen in Intensivhaltung lebenden Tiere dem Mulesing unterzogen. Dabei werden ihnen bei vollem Bewusstsein der Schwanz und das umgebende Fleisch (etwa tellergroß) weg- bzw. herausgeschnitten. Das ist in etwa so, als ob man seinem Haustier bei jeder Zecke mit dem Küchenmesser mal eben ein gutes Stück Fleisch mitrausschneidet, um ja alle Teile zu erwischen;-)…und auch viele andere bekannte Begleiterscheinungen von Massentierhaltung müssen die meisten Schafe Zeit ihres Lebens erdulden, von den Qualen bei der Akkordschur ganz abgesehen. Nach zwei bis drei Jahren regelmäßiger Schur werden die Schafe dann noch auf ihre letzte Reise geschickt, nämlich auf riesigen Transportschiffen eingezwängt zu den Fleischmärkten und Schlachthäusern im arabischen Raum, wozu sich inzwischen einige unangenehme Filme im Netz finden lassen für Alle, die sich das nicht vorstellen können. Für mich ist die Tierqualstory aber damit noch nicht zu Ende, ich habe noch weitere Scheußlichkeiten gelesen, die nicht nur für die Tiere, sondern auch für die Umwelt eine Sauerei darstellen: so werden Schafe angeblich weltweit auch regelmäßig in Pestizidbäder getaucht. Diese giftigen Substanzen belasten dann natürlich auch die Gewässer und die Umwelt, nebenbei oft auch die Menschen, die unter diesen Bedingungen arbeiten. Und: in der Wolle verbleiben meist Rückstände, denn die wenigsten Garne, die wir kaufen, werden wirklich kontrolliert.

Soweit ist die Geschichte der Wolle unter Veganern längst bekannt, und soweit sie Wolle nicht gänzlich ablehnen, greifen sie deshalb bewusst und bevorzugt zu Wolle aus Pflanzenfasern & Recyclinggarn oder lehnen alle Industriegarne ab und suchen Ihr Heil bei den sog. kleinen Handfärberinnen (dazu später mehr) … Die bekannteste Pflanzenfaser (neben Bambus-, Hanf-Soja oder Maisfasern) ist wohl die Baumwolle. Und sie ist für mich symbolisch dafür, dass der Begriff „vegane Wolle“ oder der Einkauf von Pflanzenfasern nicht wirklich weiterhilft, denn giftige Pestizide kommen gerade beim Baumwollanbau, aber auch bei anderen Pflanzenfasern, massenhaft zum Einsatz, die Arbeitsbedingungen, bis hin zur Kinderarbeit, sind alles andere als fair, und selbst wenn ich Bio-BW kaufe, habe ich damit allein keinerlei Garantie, dass die Weiterverarbeitung der Faser fair und umweltschonend vonstatten ging, denn gerade auch in Färbereien und Spinnereien geschehen Umweltschweinereien und sitzen Kinder und Frauen weltweit auf sklavenähnlichen Arbeitsplätzen.

Hier können Siegel weiterhelfen, sollte man meinen, denn schließlich liest man ab und zu Begriffe wie „textiles Vertrauen“ oder „Öko-Tex Standard 100“ oder „kbA“ auf der Garnbandarole, das sollte doch dann gute Wolle sein!? Tatsächlich zertifizieren diese Siegel aber ausschließlich die Schadstoffarmut des gekauften Endproduktes, über die sonstigen Herstellungsbedingungen und die Produktion & Qualität der Rohstoffe wird damit keinerlei Aussage gemacht! Und genau dieses Siegel ist es übrigens, das die Garne der Fa.Zitron auszeichnet, die sicher die meistverwendete Wolle bei deutschen Handfärberinnen darstellt (also kleinen Firmen und Hobby-Färberinnen, die Wolle verkaufen, z.B. bei Etsy oder Dawanda & auf Wollmärkten), und die deshalb als besonders umweltfreundlich und auch unter vielen Veganern als „okay“ gelten. Aber blind kaufen gilt auch hier nicht, denn, wie gesagt, diese Garne sind ausschließlich auf Rückstände kontrolliert, über den größten Teil dessen, was ich oben geschildert habe, schweigen sie sich aus. Auch der sicher bemühte und immer auskunftsbereite Herr Zitron kann genaugenommen also bei einem Großteil seiner Garne wenig garantieren, immerhin verkauft er allerdings ein paar Garne mit strengeren Siegeln (z.B. „ÖkoTex 1000“) und handelt auf Nachfrage transparent. (Die allseits beliebte „Wollmeise“ dagegen hat nicht nur mir persönlich, sondern auch vielen anderen mir persönlich bekannten Strickerinnen jede Auskunft zur Herkunft & Produktion ihrer Garne und zu Mulesing verweigert.) Problem aus meiner Sicht ist hier: die wenigsten Handfärberinnen können sagen, ob ihre Rohstoffe Standard 100 oder 1000 sind, in der Regel kaufen sie bei Zitron und glauben, damit sei die Faser „automatisch sauber, fair & öko“ – ja, das stimmt so aber m.E. nicht, es kommt ganz auf die Siegeldetails an! (Welches Siegel überhaupt? Was genau beinhaltet dieses Siegel? Nachzulesen z.B. hier & hier

Und: es gibt strengere Siegel als „ÖkoTex“, so z.B. GOTS (Global Organic Textile Standard“), was die Wolle aber zugegebenermaßen dann automatisch teurer macht als z.B. eine durchschnittliche Zitron-basierte Wolle. Und: Alle Siegel sind teuer, natürlich ist verständlich, dass viele, gerade kleinere Firmen, sich eine Zertifizierung beim besten Willen nicht leisten können. Trotzdem ist GOTS, einigen Strickerinnen übrigens bekannt durch „RosyGreenWool„, der einzige Standard, der z.Zt. sowohl die Umwelt- als auch die Arbeitsbedingungen sowie die Schadstofffreiheit des Endprodukts kontrolliert, insofern würde ich mir schon mehr GOTS-zertifizierte Wolle auf dem deutschen Markt und als Basisgarn der Handfärberinnen wünschen. Vor allem aber das Bewusstsein bei allen Firmen, ob klein oder groß, wie Wolle produziert wird, dass es andere Quellen für Rohfasern gibt, und dass es inzwischen auch Kunden/Innen gibt, die Wert auf nachhaltig hergestellte Wollelegen, was für mich automatisch beide Aspekte -Rohstoffqualität/Umweltauswirkung als auch faire Arbeitsbedingungen für Schaf und Mensch sozusagen – beinhaltet und weshalb ich persönlich lieber von „grüner Wolle“ spreche statt nur von „veganer“, die speziell den Umweltaspekt bei den Pflanzenfasern zu sehr vernachlässigt. 

Und letztlich wünsche ich mir in diesem Sinne auch mehr KundInnen/StrickerInnen, die mal nachfragen und evtl. auch bereit sind, im Namen von Tier&Umwelt ein paar Euro mehr für ihre Wolle auszugeben, wenn sie dafür mit gutem Gewissen stricken können. Vielleicht hilft es auch an dieser Stelle, sich mal bewusst zu machen, dass man fast überall im Ausland ohnehin mehr für sein Wollknäul bezahlt, speziell EngländerInnen, AmerikanerInnen und auch Franzosen/Französinnen legen für einfache Industriewolle tw. mehr auf den Tisch als wir es für eine zertifizierte Wolle tun müssten. Und ich bin überzeugt, dass Hersteller und Händler wahrnehmen, wenn Fragen zum Produkt gestellt werden.

Denn es gibt Alternativen….leider etwas mühsam zusammenzusuchen, aber wenn man sich umschaut, findet man neben RosyGreen inzwischen immer mehr Händler, die zumindest zusätzlich bessere Wollqualitäten als die Standard-Industrie-Palette anbieten… auch denke ich, dass man auch unzertifizierte „Öko-/Naturwolle“, wie z.B. vom Finkhof oder aus dem Kd-Vielfalt-Shop, relativ bedenkenlos kaufen kann, denn die Einzelhändler aus dieser Szene haben selten eine Einstellung, die ihre mühsam artgerecht gehaltenen Schafe durchs Pestizidbad jagen lässt oder bei der Färbung giftige Chemiefarben einsetzt, um 2 Cent zu sparen. Schade ist nur der Mehraufwand, den man tatsächlich als Woll-und Faserkonsument betreiben muss, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Auch dafür gibt’s mittlerweile aber im Netz ein paar Hilfen, z.B. über Webseiten wie „Naturwolle“ (eine wunderbare Initiative der deutschen Bloggerin Dunkelbunt u.a.) oder grüne Seiten wie Utopia.de oder Umweltberatung.at aus Österreich (auch Stoffe), die beim Sortieren helfen. Auch Artikel in diversen Zeitschriften helfen weiter, ich verlinke Euch unten ein paar…und ganz toll finde ich neue shops wie „Wunderwolle“ oder „MaschenZumGlück„, die sich den Verkauf tierfreundlicher & nachhaltig produzierter Wolle explizit auf die Fahnen geschrieben haben.

Im letzten Jahr hatte ich selbst einige Firmen angeschrieben und antelefoniert, mit sehr gemischten Erfahrungen, die bei den großen Firmen auch mal in völliger Ignoranz meiner Anfrage gipfelten. Ich habe seitdem Wollfirmen/ -händler als leider für mich persönlich nicht mehr akzeptabel ausgemacht, weil mir nach meiner subjektiven Erfahrung hier inzwischen das Vertrauen fehlt:

– WolleRödel, Lana Grossa, SCM/Schachenmayr, Lang, Schulana, Junghanswolle, FischerWolle, Wollfactory, Gründl, Discounterwolle, Wollmeise

Mit Einschränkungen akzeptabel scheint mir: – Atelier Zitron, Drops, Isager, Noro, Madelinetosh, MaidenHair, DebbieBliss, Opal/Zwerger, Schoppel (bei allen bisher genannten die einzelne Wolle nachfragen), Ito, FairAlpaca, Malabrigo, Artesano

Zuletzt gekauft bzw. auf dem Einkaufszettel, in der Hoffnung, dass sie die Bezeichnung grüne Wolle verdienen, habe ich:

– RosyGreenWool, Wunderwolle, Pascuali, BlueFacedLeicester/Natural Dye Studio, Falkland-Merino/Zauberwiese, Bio-Seide/Bourettseide, z.B. von DyeForYarn, Frankengarn, Finkhofwolle, WerdenfelserLandwolle, SchafpatenWolle, Wolle der Kollektion-der-Vielfalt, Blackerdesigns (UK), Hema-wollversand, Die-Maschen-zum-Glück-Wolle (tw.), Natuerliche-Wolle.de

Diese Liste ist natürlich unvollständig und rein subjektiv, bei neuen Erkenntnissen werde ich mich bemühen, sie zu aktualisieren und weiterzuführen. Aber vllt. hilft mein „Schrieb‘ „, zusammen mit den links auch anderen Strickerinnen oder NeuVeganern zu ein bisschen mehr Klarsicht, oder es lässt sich jmd. von Euch animieren beiden eigenen Wolldealern mal nachzufragen, was sie eigentlich zur Produktion ihres Angebots sagen können…und kleine Firmen und Handfärberinnen zu unterstützen, die sich um das Thema kümmern. 

Ich selbst möchte jedenfalls meine Kundenrechte zukünftig deutlicher wahrnehmen, statt mich blind und taub zu stellen…und meinen Stash in einen sauberen Stash verwandeln, denn wenn man weiß, was läuft, macht das Stricken mit möglicherweise blutiger, chemieverseuchter Wolle einfach keinen richtigen Spaß. Einziger kleiner Wermutstropfen aus meiner Sicht: Ausflüge in Wollgeschäfte und auf Wollfeste werden deutlich schwieriger, das muss ich zugeben. Und ein wichtiger Teil meines bisherigen Urlaubsvergnügens, und auch schon mal einer beruflichen Reise, war inzwischen für mich, zu gucken, was es dort an lokalen Faser-Einkaufsmöglichkeiten gibt…das kann ich mir jetzt oft sparen, zumindestens in Deutschland, wo LanaGrossa und co. in vielen Läden vorherrschen. Aber es wäre natürlich ein sehr egoistischer Grund, deshalb anders zu handeln. Das Geld? Nein, das stört mich weniger. Natürlich, manche Strickerin hat vllt. nur ein sehr kleines Budget zur Verfügung, da wird es, zugegebenermaßen, etwas schwieriger….aber seien wir mal ehrlich: Viele von uns, mich eingeschlossen, haben in den lzt. Jahren einen Riesenstash angesammelt, den wir tw. gar nicht mehr verstricken können, und was mich angeht, hab ich früher das meiste Geld für Sonderangebote gelassen, die ich jetzt gar nicht mehr verstricken mag, da hätte man auch kleinere Mengen besserer Qualität dafür gekriegt. Nun geht es aber auch nicht drum sich selbst zu zerfleischen, shit happens, aber man kann’s ja zukünftig ändern und bewusster einkaufen, das ist dann für mich auch die schönste Art des Stashabbaus: „kleiner, aber feiner, vegan&grün„!

Interessante Artikel zum Thema: 

Keine Chemie im Schafspelz – Hier

Warum Schafe Schutz brauchen – Artikel im Focus-Hier & Selbstauskunft RosyGreenWool 

Zu Textillabels – Hier & Hier

Wollkauftipps von Animal Fair Hier….Ökotest-Artikel Hier & Hier mit Infos zur Superwashausrüstung

Merino-Naturwolle mit Tücken Hier

Peta – Hier (Vorsicht: Schockbilder)

Blogartikel – GuteWolleWolleMitSeeleDifig-WolleSpinningcat

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