Grrr, meine Erkältung will nicht wirklich weichen, aber wenigstens konnte ich mal einkaufen. Leider noch nicht in einem Bioladen, da die nicht ganz um die Ecke liegen. Um die Ecke liegt Aldi und Rewe. Also hab ich’s da versucht. Und nicht so gut eingekauft. Quinoa hatten sie nicht, leider auch kaum gescheites Gemüse („mein Bauer“ um die Ecke hat leider gerade Urlaub) und die „Bio-Sojamilch“ von Aldi ist ja sowas zum Abgewöhnen!!!
Ehrlich, die schmeckt mir überhaupt nicht. Dabei meine ich gelesen zu haben, dass die laut diversen Veganer-blogs besonders „lecker“ sei!?! Naja, Geschmäcker sind verschieden, aber von mir gibt’s dazu keine Kaufempfehlung.

Tatsächlich lecker sind dafür die Alpro-Soya Desserts „Dunkle Schokolade“, da sind sogar meine Männer mit mir einig und ich muss aufpassen, dass ich von dem 4erPack überhaupt noch was abbekomme;-). Aber kaufen will ich die auch nicht wirklich, denn der bei AlproSoya verbreitete Einsatz von diversen Zusatzstoffen, hier z.B. Phosphate und Carrageen, stört mich sehr. Das ist ein typisches Beispiel für „vegan, aber ungesund“, ich hoffe, dass sich da noch Alternativen finden, abgesehen von selbstgemachtem Pudding mit Pflanzenmilch natürlich, den ich sicher auch noch ausprobieren werde.

Bezüglich meines existentiellen Morgenkaffees bin ich aber in der Petrouille und sehe mich dazu „genötigt“ heute noch ‚mal Milch zu trinken, denn das Aldiprodukt krieg ich in meinem Cappu einfach nicht runter. Dafür lese ich „zum Ausgleich“ schon mal nach, wie man Sojamilch auch selbermachen kann: www.sojamilch-selber-machen.de . Und plane den nächsten Einkauf.

Es klingt sicher banal, aber da alles noch so ungewohnt ist, ist es gar nicht so einfach: zuerst mal fehlen mir viele Zutaten, die in veganen Rezepten vorkommen und manches gibts im Laden um die Ecke auch gar nicht. Ich werde also irgendeine Routine finden müssen, öfter und regelmäßiger als bisher in der Innenstadt einzukaufen, denn nur dort gibt es die entsprechenden Möglichkeiten (inkl. teurer Parkgebühren oder umständlicher Schlepperei mit Bus und Straßenbahn). Meine Männer wollen weiter ihre gewohnten Lebensmittel essen, was heißt, dass ich Supermärkte trotzdem weiterhin besuchen muss, wobei ich interessant fand, dass man als Veganer tatsächlich eine Reihe Regale in denselben völlig links liegen lassen kann!
Nicht zu unterschätzen ist aber, unabhängig von der Einkaufsquelle, auch die Zeit, die ich, zumindest am Anfang, in jedem Geschäft brauchen werde, um die Zutatenliste zu studieren-in meinem Fall nicht nur im Sinne der Fahndung nach tierlichen Bestandteilen, sondern auch zur Beurteilung des gesundheitlichen Werts, denn der ist mir nun mal wichtig.
Und es ist schon sagenhaft, in was sich alles „Tier“ befindet, das habe ich vorher tatsächlich so nicht wahrgenommen. Milchpulver und Gelatine an der Tagesordnung! Wahnsinn!
(„Vegane Orientierung“ bieten Listen veganer Produkte im Internet wie bei peta oder hier und z.B.hier)

Was mich noch grübeln lässt, ist auch die Kocherei: muss ich jetzt alles doppelt kochen, in zwei Ausführungen („vegan“ und „nicht-vegan“)?? Mein Sohn ist leider ohnehin sehr heikel beim Essen, da wurde schon bisher manchmal „doppelt gekocht“ mit Gemüse für mich und Fleisch für ihn z.B., zusätzlich noch jeden Tropfen Milch und jeden Krümmel Käse zu variieren, stell ich mir schon anstrengend vor. Aber auf gemeinsame Mahlzeiten zu verzichten, kann auch nicht die Lösung sein. In jedem Fall brauche ich da noch eine Reihe sehr variabler Rezepte (und viel Übung damit…und Geduld!) Solange ich keinen beruflichen Stress habe, wird das wohl irgendwie gehen, aber genau den hab ich, wenn, dann phasenweise massiv, wie das dann funktionieren soll?? Oder wäre es dann ausnahmsweise okay, die Fleischbestandteile aus der Soße zu klauben (auf meinem Teller), um eben den doppelten Aufwand zu meiden?

Hier in absehbarer Zeit mit Überzeugungsarbeit zu fruchten, kann ich mir jedenfalls nach meinen ersten Diskussionserfahrungen mit der Verwandtschaft abschminken – mein vorsichtiges „Outing“ als „Versuchs-Veganer“ hat allenorts erstaunliche Agressionen zu Tage gefördert, etwa vergleichbar mit der Eröffnung, dass man sich das komplette Erbe alleine unter den Nagel gerissen hat …so ganz fasse ich die Reaktionen immer noch nicht (…etwa doch schlechtes Gewissen?)!
Immerhin weiß ich jetzt, dass es für weite Teile meines Umfeldes anscheinend schon immer an der Grenze der Zumutbarkeit war, mich zu bewirten, denn, was soll man denn da kochen? (Da ich mich ja unbedingt GESUND ernähren „muss“!?!) Und dann dauernd! diese Gespräche übers Essen (,die komischerweise und nachweislich aber nie von mir ausgehen, denn Essen gilt mir als Freizeitbeschäftigung, da blende ich Berufliches liebend gerne aus!) …also nein, und jetzt noch vegan, da kann ja keiner mehr Fleisch essen in meinem Beisein…und wie kann das denn gesund sein, das müsste ICH aber doch gerade wissen!!
Und wozu das überhaupt gut sein soll? Dummerweise erwähne ich die Missbildungen bei paraguayischen Kindern in Zusammenhang mit dem Sojaanbau für das Massentierfutter (z.B. hier und hier), das steigert die Adrenalinspiegel sämtlicher Anwesenden immens! Alles Propaganda, so das einhellige Urteil, und leider fühlt sich jetzt auch noch mein Lieblingsverwandter genötigt die Wogen zu glätten, indem er bestätigt, dass es ja genug andere Probleme auf der Welt gibt, wo ich mich engagieren kann, was ich esse oder nicht sei eh völlig irrelevant. Super Motivation also für mich!

Zum Glück erscheint mir der angeblich so hohe psychologische Nutzen verwandschaftlicher Beziehungen ohnehin immer etwas überbewertet. Der Spruch „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben (essen), wenn es dem Nachbarn nicht gefällt!“ wirkt irgendwie realistischer auf mich, aber ich will mich einfach nicht verunsichern lassen, auch wenn Ruhigbleiben hier schwer fällt. Da muss man wohl durch, wobei ich damit rechnen muss, dass alles, was ich esse von nun an noch genauer beobachtet und sicher auch bespöttelt werden wird.
Ich stelle mir vor, dass junge Leute es da einfacher haben, weil es meistens, was ich so im Internet lese, noch mehr Menschen in ihrem engeren Umfeld gibt, die vegan oder jedenfalls „anders“ essen, und „vegan zu sein“ sogar als „hippe Lebensweise“ gilt.
Aber wer weiß, zumindest muss ich mich nicht mehr mit besorgten Eltern rumschlagen, die nach herrschender Ernährungsexpertenmeinung vegan für ungesund halten (müssen), unabhängig davon, welchen Anteil an ungesunder Kost sie selbst über die sog. „Hausmannskost“ und „Fleischberge an Pommes“, zumindest bei Familienfeiern, gern genießen.

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